
SPD-Abgeordnete informieren sich bei Uni-Institut „CenTouris" - Forderung: Mehr Sachverstand und weniger politische Einflussnahme
Von Carmen A. Laux (Passauer Neue Presse)
Neuburg am Inn. Konsequente Kundenorientierung - das ist es, was CenTouris, das Forschungsinstitut der Universität Passau, auch dem SPD-Arbeitskreis für Kommunales bei einem Gespräch auf Schloss Neuburg gepredigt hat. Hintergrund: Die SPD will ein Tourismus-Förderungsgesetz für Bayern auf den Weg bringen. Um das ganze auch wissenschaftlich zu unterfüttern, diskutierten die Landtagsabgeordneten Helga Schmitt-Bussinger (Nürnberg-Süd und Schwabach), Reinhold Perlak (Straubing), Inge Aures (Kulmbach) und Harald Schneider (Main-Spessart) sowie der örtliche Abgeordnete Bernhard Roos mit den Machern von CenTouris über einen „Masterplan Tourismus für Bayern". Ergebnis: Den kann es nicht geben, jede Region braucht ihren „Königsweg".
Der Abgeordnete Reinhold Perlak, der das Konzept für seine Fraktion entwickelt, geht davon aus: „Tourismus bietet standortgebundene Arbeits- und Ausbildungsplätze, stärkt den Bekanntheitsgrad der Städte und Regionen und damit den Wirtschaftsstandort Bayern." Doch um sich als „Ferienregion Bayern" auf dem Tourismus-Markt zu behaupten, um Gästeankünfte aus dem In- und Ausland zu steigern, eine längere Verweildauer zu erreichen und somit auch die Arbeitsplätze in dem Sektor zu erhöhen, sind - da sind sich alle Arbeitskreis-Mitglieder einig - tief greifende Veränderungen nötig.
Schwächen als Gemeinsamkeit
„Schwächen haben fast alle Regionen - das ist die Gemeinsamkeit. Und so bedarf es vieler Neuerungen, um in Bayern eine gesunde Mischung aus Hôtellerie und Gastronomie der Spitzenklasse, bodenständigen Betrieben sowie Privatvermietern von Ferienwohnungen und Pensionen erhalten zu können", so die Abgeordneten nach dem mehrstündigen Gespräch mit CenTouris.
Zur Ursachen-Ermittlung gehört eine Analyse der aktuellen Marktsituation - und da konnte das Centrum für marktorientierte Tourismusforschung der Universität Passau mit Forschungsergebnissen und Know-How weiterhelfen: So wurde unter anderem festgestellt, dass nicht politische Grenzen das Handeln bestimmen dürfen, sondern touristische Ziele, sprich Markenbegriffe für Regionen. „Weniger ist dabei mehr. Wer aus dem Ausland kommt, der macht zunächst mal Urlaub in Deutschland, kennt vielleicht noch Bayern. Die Marke Bayerischer Wald ist das äußerste der Gefühle", erklärt Bernhard Roos. Weitere Unterteilungen wie etwa Abteiland, Dreiflüssestadt oder Thermenland seien dann nur noch etwas für Insider.
Kämpfen für eine bessere Infrastruktur
Und wie sieht es mit den Infrastrukturen aus? Sind sie ausreichend geeignet? „Nein", erklärt Bernhard Roos. Deswegen kämpfe er unter anderem für die Wiederbelebung der Ilztalbahn und der Hauzenberger Bockerlbahn. „Was man hat, soll man pflegen", so der SPD-Abgeordnete.
Ähnliches gelte für den grenzüberschreitenden Touismus. „Viele Chancen werden diesbezüglich nicht genutzt", bedauert der Passauer MdL und erinnert exemplarisch an die Europaregion DonauMoldau oder die Skiregion Hochficht-Tschechien. „Diesbezüglich ist auch die Verkehrspolitik gefordert", merkt er an.
Es gibt aber auch Bereiche, in denen sich Politiker besser heraushalten und stattdessen auf die Touistiker vertrauen sollten. „Warum bestimmt der Genieinderat über die Fotos, die in Prospekten abgedruckt werden?", fragt sich CenTouris-Geschäftsführer Dr. Günther Hribek. Und water: „Bei Krankenhäusern, dievon Kommunen getragen werden, operiert ja auch nicht der Oberbürgermeister oder der Landrat."
Um weiterhin vom Know-How des Forschungsinstituts zu profitieren, will die SPD mit CenTouris im Dialog bleiben. Perlak: „Die Tatsache, dass alle Altteure gemeinsam an einem Strang ziehen müssen, macht es notwendig, dass Bayern gemeinsam über seine touristische Entwickhing diskutiert." Und die Kollegen ergänzen: „Für Kirchturm-Denken ist kein Platz, wenn man Leuchttürme sehen will."