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30.11.2009 | Protestmarsch:

SPD und Jusos unterstützen Anti-Atom-Demo der GRÜNEN

Laut und bunt demonstrierten zirka 500 Kernkraftgegner am Samstag in Kulmbach und forderten, „die Atomlüge zu beerdigen“.

Anti-Atom DemoKulmbach — Die Kernkraftgegner trommelten, pfiffen, forderten lautstark den Atomausstieg und skandierten: „Wir sind das Volk!“ Demonstranten mit Gasmasken und Schutzanzügen und der „Sensenmann“, der zum Sinnbild einer
todbringenden Technologie geworden ist, reihten sich ein in den Protestzug. An der Atombar aber gab es nichts Hochradioaktives, sondern Hochprozentiges – bei der Anti-Atom-Demo am Samstag in der Kulmbacher Innenstadt ging es laut und bunt zu.

Organisator Jürgen Öhrlein, Kreistagsfraktionsvorsitzender der Grünen/Offene Liste, hatte ein breites gesellschaftliches Aktionsbündnis geschmiedet aus Grünen, SPD, Jusos, ödp, Die Linke, Bund Naturschutz, Evangelischer Kirche und der Gruppierung „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“.

Die Botschaft war eindeutig: „AKW aus – Zukunft an“ oder „Ausstieg! Abschalten!“ stand auf den Transparenten zu lesen. Auch den politischen Gegner nahm man ins Visier: Bei den Wählern der Union und der FDP bedankte sich ein Demonstrant auf seinem Schild „für die atomverstrahlte und gentechnisch verseuchte Zukunft“. Bis zu 500 Personen sollen sich nach Auskunft der Veranstalter an der Demonstration beteiligt haben. Bei der Kundgebung am Marktplatz gaben sich die Redner kämpferisch und bekamen viel Beifall. „Wir sind gekommen, um die Atomlüge zu beerdigen und zu zeigen, dass die Anti-Atom-Bewegung wieder da ist. Unsere Argumente sind frisch und stark“, rief Kreisvorsitzender Wolfgang Schenker vom Bund Naturschutz. Er sprach sich für eine radikale Energiewende durch erneuerbare Energien aus. Als „verschämtes Feigenblättchen“ kanzelte er den Beschluss des Stadtrats ab, Eon-Strom aus Wasserkraft zu beziehen.

Die gesundheitlichen Risiken der Kernkraft hob ödp-Bundesvorsitzender Professor Dr. Klaus Buchner hervor. Er prangerte den Uranabbau an, der zu Hunderttausenden von Toten geführt habe. Zudem häuften sich in einem Fünf-Kilometer-Radius um die Kernkraftwerke herum die Krebserkrankungen. Er stellte deshalb die Gleichung auf: „Atomkraft ist für mich eine moderne Form des Mordes.“

Das „scheinheilige schwarz-gelbe Gerede“ von der Atomkraft als einer Brückentechnologie geißelte Bundestagsabgeordnete Elisabeth Scharfenberg (Bündnis 90/Die Grünen). Sie führe nur hin zu einer verstrahlten Zukunft. Sicher sei daran nur eines: „Sie ist risikoreich wie keine andere. Und deshalb sagen wir ganz klar: Nein!“

SPD-Landtagsabgeordnete Inge Aures räumte ein, dass man sich nach dem rot-grünen Einstieg in den Atomausstieg zu früh in Sicherheit gewiegt habe. Nach der Bundestagswahl habe sich das Blatt gewendet, nun sei die Atomlobby plötzlich wieder da. Sie rief dazu auf, den Protest auf die Straße zu tragen.

(Quelle: BR / Stöckel vom 30.11.2009, gekürzt)