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01.09.2008 | Inge Aures wendet sich an IHK:

Tatkräfige Unterstützung und keine Lippenbekenntnisse

In einem offenen Brief wendet sich Inge Aures an den Geschäftsführer der IHK von Oberfranken, D., Hans F. Trunzer. Anlass sind die "Wahlprüfsteine" der IHK, die eine große Schnittmenge mit den politischen Forderungen der SPD im Freistaat haben:

"Guten morgen, Herr Dr. Tunzer. Der Bayerische Handwerkertag hat an die amtierenden Landtagsabgeordneten ein Heftchen mit den Wahlprüfsteinen geschickt. Herr Hoderlein hat mir dies freundlicherweise überlassen. Im Begleitbreif dazu steht ein Satz, den ich gerne mit einem anderen chinesischen Sprichwort ergänzen möchte: 'Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom!' Das ist eine Devise nach der ich arbeite. Und deshalb freue ich mich zunächst, dass ich auch von Ihnen angefragt wurde.

Von den Landtagskandidaten in meinem Stimmkreis bin ich diejenige, die am besten mitreden kann. Wie Sie wissen, komme ich vom Bau und habe als Architektin Dipl. Ing. FH von 1979 bis 1995, bis ich Oberbürgermeisterin von Kulmbach wurde, aktiv am Bau und mit den Handwerkern gearbeitet. Deshalb weiß ich, von was ich rede.

Heute hat im Architekturbüro meines Mannes eine Auszubildende im Bereich technisches Zeichnen begonnen. Dabei konnte ich feststellen, dass in der Vergangenheit dieser Beruf fast nicht mehr ausgebildet wurde und im neuen Schuljahr nur 16 Auszubildende aus ganz Oberfranken in Kulmbach in die Berufsschule gehen. Das ist ein Beispiel, wie die Theorie der Praxis hinterher hängt. In fast keinem Architekturbüro steht mehr ein Zeichenbrett, alle zeichnen nur am Computer. Die Schulen haben veraltete Computerprogramme und nicht die in der Praxis gängige Software. Das heißt, die Jugendlichen lernen Sachen, die sie in ihrem Büro gar nicht brauchen.

Was will ich damit sagen? Die Abstimmung der Lehrherren(frauen) mit den IHK und den Schulen ist dringend zu verbessern, damit eine aktuelle praxisnahe Ausbildung erfolgen kann. Wenn der Ausbildungsbetrieb weiß, dass man in der Schule optimal betreut wird, ist der Anreiz auch größer, mal zusätzlich einen Lehrling einzustellen. Die Forderungen der SPD finden sich gleichsam in den Fragen der IHK wieder. Wir, die SPD, und auch ich als Direktkandidatin für den Bayerischen Landtag, haben uns und werden uns immer dafür einsetzen, den Fachkräftemangel zu beheben. Ich bin gespannt auf die Antworten der CSU, denn die hätten ja als Regierungspartei diese Punkte gar nicht erst entstehen lassen müssen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf, von Frau und Mann, sind die Grundsatzforderungen des Wahlprogrammes der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und jetzt besonders in Bayern. Sie können gerne unsere Wahlprogramme der vergangenen Wahlen nachlesen: Kinderbetreung von der Kinderkrippe, Kindergarten, Kinderhort und Ganztagsschulen haben wir 'gebetsmühlenartig' gefordert. Da hat die CSU dies als 'Sozialistisch und aus Moskau kommend' abgewiegelt. Erst nach der Pisa Studie, hatten sie es schwarz auf weiß, in welchem desolaten Bildungszustand unsere Kinder sind. Und jetzt? Jetzt werden die Kombiklassen den Eltern als pädagogisch wertvoll verkauft!!! Aber nur weil man sparen WILL, nicht sparen MUSS.

Aber die Eltern sind nicht dumm und können 1 und 1 zusammen zählen. Ich unterschreibe deshalb alle Ihre Forderungen nach Beschäftigungsmöglichkeiten für Ältere und auch die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte sowie die Aufhebung der Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit gegenüber den neuen EU Ländern. Ihre Forderung, Wachstum voran zu treiben ist richtig. Die Hochschulen und Universitäten brauchen tatkräfige Unterstützung und keine Lippenbekenntnisse. Ich selbst studiere derzeit an der Universität Bamberg den Masterstudiengang Denkmalpflege - Heritage Conservation und kann deshalb hautnah mitreden. Die Uni ist für 3500 Studenten ausgelegt und 9000 Studenten sind eingeschrieben. Da muß sogar darum gestritten werden, welche Hörsääle von welcher Fakultät belegt werden dürfen, ganz abgesehen von der der Versorgung der Studenten in der Mensa.

Das spricht doch für sich, welche Politik in Bayern gemacht wird. Schön reden, aber nicht handeln. Jetzt kommen bald die Studenten aus den G8 Jahrgängen.Die CSU hat nichts vorbereitet. Also auch Einigkeit in Ihrem Bestreben um Wachstum und Innovation. Ihre Meinung bezüglich der Versorgung mit DSL teile ich nicht. Der Staat ist komplett dafür zuständig, dass in Bayern die gleichen Lebensbedingungen herrschen. Das steht schon in der Verfassung des Freistaates Bayern. Warum sollen die Kommunen auf dem Land, die sowieso schon kein Geld haben, mit ihren eigenen Mitteln sich in DSL einkaufen wenn in den Metropolen alles kostenlos erfolgt: Dies stellt eine eindeutige Benachteiligung des ländlichen Raumes dar und darf so nicht sein. Der Student in Premeusel und der Landwirt in Cottenau haben die gleichen Recht an die Datenautobahen dieser Welt angeschlossen zu werden und zwar auf Kosten des Staates.

Sehr geehrter Herr Dr. Trunzer, das sind meine persönlichen Antworten. Ich hätte aber noch einen Vorschlag für das Handwerk, um an Aufträge zu kommen. Der Staat muß Anreize geben, um auch in Privathaushalten Energiesparmaßennahmen von der Steuer absetzen zu können und nicht nur bei Generalsanierungen. Soviel Geld hat meistens keiner. Aber so, wie man jetzt teilweise Handwerkerrechnungen absetzen kann, könnte man auch hier seinen Teil zum Umweltschutz beitragen und gleichzeitig den Handwerkern Auftäge zukommen lassen. Auch wenn es nur in kleinen Summen wäre, aber Kleinvieh auch auch Mist. In diesem Sinne werde ich als neu gewählte Abgeordnete für unsere Heimat tätig werden ,darauf können Sie sich verlassen. Bei uns vom Bau gilt 'ein Mann - ein Wort' in meinem Fall 'eine Frau -ein Wort'

Ihre Rote Inge Aures"